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Papa ,du bist peinlich –Geschichten einer 14-jährigen, deren Vater ein VW Busfahrer ist

 

 

In meinem Alter ist alles peinlich, was die Erwachsenen machen, doch am schlimmsten ist mein Papa, der ist wirklich peinlich. Immer habe ich das Gefühl, das neben mir ein kleiner Junge steht und nicht ein erwachsener Mann.

Er ist einfach peinlich und das weiß er auch und das alles macht es noch viel schlimmer, besonders dann, wenn er mich damit ärgert.

Das liegt an seinem Hobby, den VW-Bussen. Wenn er sich nicht den blauen schicken Bus (mein absolutes Lieblingsauto von ihm neben seiner Doka) gekauft hätte, was wäre dann heute?

Da er sich aber nun den Bus gekauft hat und ihn nicht mehr hergeben will, muss ich es ertragen, dass mein Papa immer als erstes unter die Autos guckt.

Außerdem bekommt er immer dieses merkwürdige Glitzern in den Augen, wenn er einen Bus sieht.

Immerhin weiß ich jetzt, was ein Wasserboxer, ein Diesel, ein Allradgetriebe usw. ist.

Letztens habe ich einen tollen Kapuzenpulli von meinem Papa bekommen, er besitzt ja einen wo drauf steht „Syncro – ich stecke da, wo andere nicht hinkommen“. Nun ja, da ich noch minderjährig bin und somit noch keinen Führerschein habe, wurde der Spruch extra für mich geändert: „Papa ist peinlich –aber Syncro fahren ist trotzdem cool!“

Alle in meiner Schule haben mich natürlich damit aufgezogen, als ich das erste Mal mit meinem Pulli ankam. Doch sie haben keine Ahnung, was´n Syncro ist! Ich mein – Hallo?! Das weiß auch schon mein kleiner siebenjähriger Bruder! Tja,…all diese unwissenden Menschen sind zu bemitleiden, denn wer nicht weiß, was ein Syncro ist, verpasst wirklich etwas. Echt jetzt!

 

Ich war bis jetzt schon auf einigen Treffen und das Gute daran ist, dass man neben meist völlig verrückten und doch liebenswerten Erwachsenen auch Orte und Städte kennenlernt, die ich vermutlich ohne solch ein Bus-Treffen nie besucht hätte.

Es ist auch immer sehr amüsant zu beobachten, wie die Leute auf Papas Doka reagieren, wenn wir mit ihr durch Städte fahren. Sie bleiben auf der Straße mit offenem Mund stehen und einigen fallen fast die Augen raus.

Dazu fällt mir prompt eine Situation ein, welche wirklich witzig ist. Ich möchte es gerne hier und jetzt erzählen, also….

Es war einmal….Halt stopp, anhalten. So fängt doch keine Doka-Geschichte an!!!! Ich habe eindeutig zu viele Märchen gelesen. Das müssen wir ein wenig anders formulieren.

Also, nochmal.

Es ist Sommer, die Wärme bringt einem um und in Papas Wohnung ist es wie in einem Backofen. Meine Brüder haben schlechte Laune und quengeln, dass sie baden gehen, Eis essen wollen, überhaupt Spaß haben möchten und nicht drinnen bleiben. Papa und Jane sehen das genauso und eh man es sich versieht, sind 1-2-3 die Sachen in die Doka verfrachtet und man sitzt im Syncro und freut sich.

Wir fahren nach Pankow. Dort gibt es 2 Seen – der eine ist öffentlich, der andere eigentlich nicht. Und eigentlich soll man das Auto abstellen und zum See laufen. Aber was macht Papa? Er grinst breit und fährt direkt zu dem nicht öffentlichen See einen nicht vorhandenen Weg herunter, an all den verdutzten Leuten vorbei. Ich stöhne nur auf: ‚wie peinlich….’.

Wir hoppeln, hüpfen und schütteln über den unebenen Boden und ich erwarte sehnsüchtig das Ende der Fahrt, denn bei jedem großen Hindernis, welches wir überfahren (halbe Baumstämme, Erdhaufen etc.), schlage ich mit dem Kopf hinten an das Metall an. Bennet und Lucas johlen und kreischen, mir ist kotzübel und am liebsten würde ich laufen.

Aber es gibt noch ein viel größeres Problem. Wir müssen einen sehr steilen Berg herunter fahren, um an den zweiten See zu kommen. Als man den Abhang sieht, setzt mein Herzschlag aus und ich kralle mich in das Polster der Rückbank und kneife meine Augen fest zu.

Bennet stichelt rum, dass ich ein Angsthase bin – habe ich ja noch nie abgestritten. Endlich höre ich, wie Papa anhält und öffne vorsichtig die Augen. Hmm, anscheinend sind wir jetzt da…vor mir liegt der See. Das Wasser ist kalt und somit unglaublich angenehm.

Doch ich habe noch ein weiteres Problem –  ich bin komplett in Schwarz gekleidet und die Sonne strahlt vom Himmel herab, als wolle sie einen neuen Weltrekord brechen. Ich stöhne auf und Jane sieht mich bemitleidend an. Papa fragt nur gehässig: „Na schwitzt du?“ Ich sehe ihn ärgerlich an und schüttle den Kopf: „N-nein überhaupt nicht…“

Zum Glück hat Jane ein extra T-Shirt dabei. Das wechsle ich dann schnell.

Wir verbringen dort einen schönen Nachmittag, grillen und genießen den Sommer. Doch dann wird es Zeit, nach Hause fahren.

Also alle Sachen wieder eingepackt und losgetuckelt. Dieses Mal nehmen wir allerdings nicht den Berg, sehr zu meiner Freunde, sondern fahren anders rum, sehr zu meiner späteren Unfreude…

Denn was ich nicht weiß, ist, dass wir so durch den FKK Bereich müssen. Es ist jedoch schon zu spät, um zu protestieren. Alle starren uns an – einige stehen sogar auf…ich würde am liebsten im Boden versinken. Ich kann gar nicht beschreiben, wie peinlich mir das ist.

Meine Brüder winken noch, na aber jetzt schlägt’s 13!

Papa sitzt, mit seiner Sonnenbrille hinterm Lenkrad und grinst sich einen ab. Es scheint mir so, als würde er besonders langsam fahren. Ich bete zu Gott, dass er macht, dass Papa schneller fährt.

Und oh, ein Wunder, Papa legt zu…um 2 km/h…Es kommt mir vor wie eine halbe Ewigkeit, bis das Ende des FKK-Strands in Sicht ist.

Vor meiner Nase taucht ein Hügel auf und ich schließe lieber schon mal vorsorglich die Augen, sicher ist sicher. Ich spüre wie Papa aufs Gas drückt und die Doka den Hügel hochschießt, doch meine Augen bleiben trotzdem zu. Erst als die Doka hart auf dem Boden aufsetzt öffne ich vorsichtig die Augen und sehe das vor uns zwei völlig verschreckte Leute stehen, wo kommen die denn her?

Papa und Jane fangen schallend an zu lachen, doch ich weiß überhaupt nicht warum, also frage ich mal nach, schließlich will ich auch mitlachen!

Papas Erklärung ist simpel: „Die beiden Radfahrer, die da stehen, haben eben ihre Fahrräder den Hügel hoch geschoben, während wir langsam immer näher auf sie zu gefahren sind. Sie haben sich ständig umgedreht und uns verwirrt und fragend angesehen. Als sie endlich oben angekommen waren, habe ich Gas gegeben. In diesem Moment schossen beide nach links und rechts weg.“ endete Papa seine Erzählung mit lauten Lachen. Ich erwiderte nur sadistisch grinsend: „War bestimmt interessant, die Doka von unten zu sehen! Es hat bestimmt spektakulär ausgesehen, sämtliche Getriebe und andere Sachen von unten zu sehen“.

Der Junge und das Mädchen weichen nochmal 10 Schritte zurück, als Papa sich auf den Rückweck nach Hause macht.

So endet ein toller Tag mit einem wirklich grandiosen Abschluss….

Ich habe schon so viel mit der Doka und dem Bus erlebt und möchte keine der beiden mehr missen. Und ich bin Papa wirklich dankbar, dass er bis heute die Geduld aufbringt, mir Sachen zu erklären, die für ihn völlig verständlich, für mich aber nur ein Rätsel sind. Aber auf der anderen Seite muss ich mit ihm schimpfen, denn ich bin völlig süchtig nach T3s – Papa, daran bist nur du schuld!!!!!!

Ich hoffe, dass ich noch eine Menge mit den Bussen, den Syncros und den Dokas erleben werde und verabschiede mich erstmal hiermit…

Copyright by Klette 2008/09

Alias Clara
Tochter von Rüdi14

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